Elternhilfe zur Unterstützung tumorkranker Kinder Braunschweig e.V.                           Weggefährten
 
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  Rückblick Oktober 2009

 

Die Geburt eines Lichtes

   

Als vor zwei Jahren bei meinem Sohn Moritz ein Gehirntumor entdeckt wurde, stürmten viele dunkle Gefühle auf mich ein. Angst, Panik, Wut, Kummer und auch Hilflosigkeit.
Dieses  Gefühl der Hilflosigkeit aber war letztlich Triebfeder für die Entstehung des "Lebenslichtes".
Denn - was konnte/kann ich wirklich tun? Medizinisch war mein Kind versorgt, psychologisch betreut - bei Bedarf. Meine Aufgabe war der tägliche Kampf mit der Nahrungsaufnahme und der Fahrdienst zum Krankenhaus.
Als ein anderes Kind auf der K5 in akuter Gefahr schwebte, habe ich zu Hause eine Kerze entzündet und inniglich an dieses Kind gedacht, man könnte auch sagen - ich habe gebetet. Plötzlich fühlte ich mich  nicht mehr hilflos, mir selbst gab dieser kurze Moment der Besinnung Ruhe und Kraft, und so entstand der Gedanke, eine Andacht für schwerkranke Kinder und Jugendliche zu organisieren. Natürlich kann jeder jederzeit in eine Kirche gehen und beten oder in seinem stillen Kämmerlein an sein Kind denken. Aber welche Kraft kann sich entfalten, wenn wir gemeinsam in einer Absicht zusammen kommen und diese Kraft bündeln?

Meine Freundin und Patentante meines Sohnes, Anke Geißler, war sofort von dieser Idee angetan. Gemeinsam gestalteten wir eine Form, die vielleicht Menschen in ähnlichen Situationen ansprechen könnten.
Danach fragten wir die Pastorin Frau Hanne Reinhard, ob sie sich vorstellen könnte, mit uns diese Andacht zu gestalten. Sehr zu unserer Freude, erklärte sie sich  bereit, uns zu unterstützen.
Ein Ort musste gefunden werden und natürlich musste ein Tag festgelegt werden. Die Einladungskarten erstellt, verteilt und verschickt und der Ablaufplan geschrieben und kopiert werden. Vieles musste bedacht werden und manchmal wurde uns Angst und Bange. Natürlich beschäftigte uns die Frage, wie viele Menschen wohl kommen werden. Einmal hatten wir Angst, dass die "Alte Kirche" in Querum viel zu klein sei, und ein anderes Mal sahen wir uns allein in der Kirche sitzen.

Aber wir hatten auch viele Helfer:

Vielen Dank den Dominikanern der St. Albertus Magnus Gemeinde, die uns für unser "Lebenslicht", besonders langleuchtende Teelichter schenkten. 

Vielen Dank an Ursula Reiff, die diese Kerzen für uns besorgte und uns mit vielen Teelichthaltern und kleinen Vasen versorgte.

Vielen Dank an Jirka Adamek, der uns auf der Orgel begleitet hat.

Vielen Dank an die St. Lukas Gemeinde in Querum, die uns diesen schönen Ort zur Verfügung gestellt hat.

Vielen Dank an den Verein Weggefährten e.V., der die Kosten des "Lebenslichts" übernommen hat.

Der Abend selber? War sozusagen eine Uraufführung, wir hatten nicht geprobt und ich war erstaunt, wie sich alles ineinander fügte. Wenn gute Zutaten in eine Schüssel gerührt werden, dann kann der Teig gedeihen und zu einer bekömmlichen Speise werden.

Persönlich möchte ich ganz besonders unserer Pastorin Frau Reinhard danken, die sehr einfühlsame Worte gefunden hat. Aber nicht nur der Inhalt der Worte ist entscheidend, wenn es um menschliche Berührung geht, sondern hier spürte man die Absicht die dahinter stand und die innere Kraft und Stärke mit der gesprochen wurde.

Ja - ich habe geweint, aber ich war nicht traurig, sondern in mir löste sich etwas  und das durfte fließen.

"Mache dich auf, werde licht . . ." waren die Eingangsworte der Predigt und diese Worte trage ich seither in mir. Sie gelten für jeden Menschen, hier kann sich jeder angesprochen fühlen, ob gesund oder krank, alt oder jung.
Als wir hinterher noch eine Weile vor der Kirche standen, sah ich nur leuchtende Gesichter. Ein kleines Licht durfte groß werden, weil jeder es in sich trug.
Gern wollen wir im nächsten Jahr dieses "Lebenslicht" noch einmal leuchten lassen. 

Es war schön, bei der Geburt dabei zu sein, jetzt wollen wir es wachsen sehen.
Schauen wir lichtwärts wenn wir im Dunkel wandeln.

Marie Ehrenreich-Lampe

 

Die Erlebnisse vor, während und nach der Andacht "Lebenslicht" habe ich in einem Gebet verabeitet.

Wenn es Nacht wird in uns

Und die Dunkelheit all die ungeweinten Tränen unserer Augen umhüllt

Sendest du uns einen Engel des Lichts.

Er führt unsere Hand mit tröstender Gebärde

Und lenkt unseren Schritt in lichtvolle Zukunft.

Unermüdlich hält er wacht, geduldig – bis

Die Sonne wieder aufgeht auf unserem Gesicht

Aus der Kraft unseres Herzens

Und aus der Liebe unserer Seele.

Anke Geißler


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